"Jasna?", ruft Tarik mich. Ich drehe mich um und gucke in die Augen meines großen Bruders. Er redet mit mir, Tarik hat seit meinen Balkon Sprung nicht mehr mit mir geredet. "Jasna können wir kurz reden?", fragt er mich. Er klingt traurig. Bereut er es etwa? Tarik hat viel durchgemacht mit Serben, sie haben ihm ins Bein Geschossen und Majka vergewaltigt. Dann bin ich entstanden. Majka wollte mich nicht. Tarik auch nicht. "Jasna bitte!", fleht er mich fast schon an. "Was willst du denn?", frage ich ihn gennervt. Ich liebe Tarik, er ist mein Bruder. Aber ich liebe auch Dragan. "Komm einfachmal nach draußen zum Spielplatz, wir wollen ja nicht Selma wecken.", sagt er und geht aus dem Haus. Ich zögere etwas und gehe dann ihm nach. Draußen wartet er schon auf mich, vor Amirs Linde. "Jasna denke an unsere Familie, an Selma und Amir! Was wird aus denen wenn die ganze Familie nicht mehr mit ihnen reden!",fängt er an. War klar, worüber sollte er sonst mit mir reden wollen. Innerlich hatte ich gehofft das wir etwas zusamen machen wie früher als wir auf diesem Spielplatz zusammen gespielt haben. Alle zusammen. "Denke an mich Tarik! Ich hab auch ein Recht!", versuche ich es. Es ist hoffnungslos, ich weiß es jetzt schon. Tarik wird es nicht zulassen, nicht nach dem was die Serben ihm angetan haben. Nicht nach dem was die Serben Majka angetan haben. Wieso versuche ich es eigentlich noch. " Jasna ich will mich nicht mit dir streiten", sagt er. Meint er das ernst? Ich will mich auch nicht mit ihm Streiten. Aber er kann mich nicht zwingen. Ich ziehe eine Zigaretten Packung aus meiner Jackentasche und zünde eine Zigarette an. "Hör auf mit den kippen und dem gespucke wie Dragan!", motzt er mich an. Ich ignoriere diesen Satz und spucke zur Seite. Doch Tarik schlägt mir die Zigarette aus der Hand. "Toll gemacht!", zicke ich ihn an. So stehen wir eine weile gegenübereinander und reden nicht. Wie oft ich mir vorgestellt hatte das wir zusammen hier auf dem Spielplatz sitzen und reden, einfach nur etwas zusammen machen.Ohne Streit! Die Stille macht mich Traurig. Tarik guckt auch Traurig."Jasna verstehst du es den nicht? Es geht so nicht weiter!", fängt Tarik wieder an, seine Augen sind mit Tränen gefüllt. "Das ist Ungerecht!", antworte ich ihm, aber noch nicht mal mehr ich glaube das diese Worte etwas ändern werden. Tarik nimmt mich in seine Arme."Es tut mir so Leid", sagt er weinerlich. Wir schwanken leicht hin und her. Tariks Arme sind Warm, ich fühle mich wohl, so wohl hab ich mich lange nicht mehr gefühlt. Mir fließen die ersten tränen runter und obwohl ich weine bin ich glücklich. Ich bin glücklich das Tarik bei mir ist, und seine Tränen machen mich glücklich. Es hat alles kein Sinn mehr. Es hätte nie einen Sinn gehabt."Jasna es tut mir Leid, aber es muss sein", sagt Tarik wieder während er mich weiterhin festhält. Sein griff hat sich verstärkt. Ich will mich gar nicht von ihm reisen. Ich will Tarik nicht loslassen,weil ich bin glücklich in seinen armen. Alles wie früher als er mich in den Arm genommen hat wenn ich hingefallen bin oder wie wir uns gefreut hatten das Amir auf die Welt kommt. Oder als er mich getröstet hatte wegen Babos Tod, wir saßen Stunden lang arm in arm und hatten geweint. Damals fühlte ich mich auch wohl so wie heute. " Babo wird sich freuen dich zu sehen", höre ich Tariks stimme von weit her. Alles wird leise, die Autos verstummen, Tariks Schritte verklingen. Mein Atem macht keine Geräusche mehr.
Herzlich wilkommen zu meinem Blog zu dem Buch "Tigermilch". Hier Veröffentliche ich Post zu dem Buch
Samstag, 1. April 2017
Dialog zwischen Jasna und Tarik
Aus Jasnas Sicht:
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Cool, dass du es aus Jasnas Sicht geschrieben hast!
AntwortenLöschenSchön, dass du so viel aus dem Originaltext eingebaut hast! Perfekt wäre es gewesen, wenn du die Wortfetzen, die Jameelah und Nini hören, berücksichtigt hättest ("Ungerechtigkeit", "Schicksal", "Abschied").
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